Ein Gedanke zu “Im „Bekennervideo“ fehlt der Schalldämpfer!

  1. Beweise, die keine sind

    NSU-Prozess im Zwielicht: Ein Buch zählt strittige Fakten auf

    19.02.15
    Nach und nach werden immer neue Ungereimtheiten im Fall Beate Zschäpe und den Nationalsozialistischem Untergrund deutlich. Aktuell weckt das dem NSU zugeschriebene Bekennervideo, das erstmals in voller Länge zu sehen ist (siehe Seite 3), wieder massive Zweifel an der offiziellen Darstellung.
    Deren Ziel ist es wohl, den rechtsextremistischen NSU-Terror als unstrittige Tatsache im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Auf diesem Konsens fußen auch fast alle Medien-Veröffentlichungen. Offensichtliche Unstimmigkeiten werden dem menschlichen Versagen der Ermittler angelastet oder es wird eine Verstrickung der Dienste in die rechte Szene unterstellt. Kai Voss dagegen geht schon im Buchtitel nicht von einem terroristischen Komplex, sondern von einem inszenierten Phantom aus.
    Eine brisante Sichtweise, vor der deutsche Verlage erst einmal zurückschreckten, so dass Voss – der Name ist ein Pseudonym – sein Buch in Österreich publizierte. Der Autor legt dabei eine insgesamt eher zurückhaltende Zusammenstellung der widersprüchlichen Ereignisse vor. Er hütet sich vor allzu reißerischen Theorien und Zuweisungen, schlägt aber einen weiten Bogen. Er fragt, warum die linksradikale RAF ein Interesse an der Tötung ihrer letzten beiden angeblichen Opfer Rohwedder und Herrhausen gehabt haben sollte. Er legt die Vermutung nahe, dass deren Bestrebungen um Schuldenerlass für Entwicklungsländer und alternative Wirtschaftsmodelle in der Ex-DDR wohl eher politisch entgegengesetzten Kreisen ärgerlich gewesen sind.
    So ist auch beim vorgeblichen Treiben des NSU die bestimmende Frage, wem dieses nützt. Das Schreckbild der Terrortruppe kommt als Universallösung für eine ganze Reihe von Verlegenheiten in Frage. Auch die Randfiguren sind allesamt dubios. Keiner lässt sich so eindeutig in den Motiven seiner Handlungen erfassen, wie es uns von den beiden Toten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos versichert wird.
    „Die Konzentration staatlicher Geldempfänger ist zu groß, um noch daran zu zweifeln, dass hier eine große Inszenierung stattgefunden haben muss“, schreibt Voss. In der Parade der V-Männer sind Personen vertreten, die zugleich in die rechte Szene, das „Mykonos“-Attentat oder islamistische Umtriebe verwickelt waren. Manche haben schon für die Staatssicherheit in der DDR spioniert. Es gibt den obdachlosen schießwütigen Radfahrer Michael Krause, der eine Geheimkarte von Erddepots bei sich trägt. Nach seinem Tod 2008 hören Morde des vermeintlichen NSU auf. Um diese Zeit ist auch die Anwesenheit eines V-Manns beim letzten Mord öffentlich geworden.
    Lösen lässt sich das Verwirrspiel um den NSU und die ihm angelasteten Verbrechen nicht. Das Wirrwarr lässt sich nur lockern. Bei diesen Bemühungen tut sich auch Voss zuweilen schwer. Vieles ist an sich so zerfasert, dass die Lektüre Mühe bereitet. Das Kapitel über die Geburtsstunden des Phantoms am 4. November 2011 weist noch die größte Geschlossenheit auf. Einzeln werden die Morde und die „Beweismittel, die keine sind“, beschrieben, besonders der Bekennerfilm und seine Lancierung. Die teilweise kriminelle Vorgeschichte der Mordopfer findet Erwähnung.
    Dabei enthält das Buch keine grundsätzliche Polemik. Es ist weitgehend frei von naheliegendem Sarkasmus und in einem eher ruhig-besorgten Ton gehalten. Nach der Darstellung aller Schattierungen ist nur eines gewiss: So wie es offiziell dargestellt wird, kann es nicht gewesen sein. Viele Einzelheiten, die im Buch erwähnt werden, könnten erst dadurch weiteres Gewicht erhalten, dass Vermutungen sich zu neuen Gewissheiten verdichten. Das ist aufgrund der Beschaffenheit der Umstände leider wenig wahrscheinlich. Sebastian Hennig

    Kai Voss: „Das NSU-Phantom. Staatliche Verstrickungen in eine Mordserie“, gebunden, Ares-Verlag Graz 2014, 288 Seiten, 19,90 Euro

    Kai Voss

    Quelle: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/beweise-die-keine-sind.html

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