Griechenland wird ausverkauft! Ob Bahn, Post, Strom- und Wasserversorgung: Griechenland versucht derzeit, grosse Teile seines Staatsbesitzes zu verkaufen. Doch die bisherigen Erträge sind gering und die absehbaren Folgekosten hoch. Laut dem Gesundheitsministerium bräuchte der Staat jährlich 700 Millionen Euro, um Menschen ohne Krankenversicherung medizinisch zu versorgen. «700 Millionen Euro», wiederholt Sideris die Zahl, «und gleichzeitig treibt der Staat Milliarden auf, um die Banken zu retten.» Doch um Menschenleben zu retten, habe die Regierung kein Geld. «Warum?», fragt er und macht eine lange Pause. Ehrenamtlich organisieren Menschen Kliniken der Solidarität, wie es mittlerweile viele in ganz Griechenland gibt. Die Ausrüstung und die Medikamente sind durch Naturalspenden zusammengekommen. 250 Freiwillige engagieren sich in der Klinik, davon 150 Ärztinnen, Therapeuten und Apothekerinnen. Über 5000 PatientInnen habe die Klinik letztes Jahr behandelt, sagt Sideris. Als die griechische Regierung die ersten Kredite von der Troika – der EU-Kommission, dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank – aufnehmen musste, verpflichtete sie sich, die Ausgaben im Gesundheitssystem zu kürzen. Menschen ohne Krankenversicherung erhalten seither nur noch eine Behandlung gegen direkte Bezahlung – doch viele können sich das nicht leisten. Gesundheitsorganisationen schätzen, dass rund drei Millionen GriechInnen nicht versichert sind.

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Ein Staat wird ausverkauft

Ob Bahn, Post, Strom- und Wasserversorgung: Griechenland versucht derzeit, grosse Teile seines Staatsbesitzes zu verkaufen. Doch die bisherigen Erträge sind gering und die absehbaren Folgekosten hoch.

Von Jonas Aebi, Athen

Grundstück an bester Lage: Blick von Süden auf den ehemaligen Athener Flughafen, aus dem ein Luxusresort werden soll.FOTO: HELLINIKON SA

Zwei Kilometer nur liegt Helliniko von der Küste Attikas entfernt. Tritt man aus der U-Bahn-Station der Athener Vorstadt, kann man das Meer bereits erahnen. Palmen und Pinien wachsen neben den Strassen, eine Meeresbrise weht über dem Lärm des Verkehrs. Der Duft der See wird stärker, wenn man sich den Zäunen nähert, die die Gemeinde vom Strand trennen: Ein 626 Hektaren grosses Gelände liegt dazwischen, der ehemalige Flughafen Athens, der 2001 seinen Betrieb einstellte. Drei Jahre vor den Olympischen Spielen hatte die damalige sozialdemokratische Regierung stattdessen feierlich den neuen Flughafen Eleftherios Venizelos eröffnet: ein Zeichen…

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